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Der grösste Hit aller Zeiten? Ein Frage, die so einfach nicht zu beantworten ist. Gemäss dem «Guiness Buch der Weltrekorde» ist «Happy Birthday» das populärste Lied der Welt. Doch wenn auch das Geschwisterpaar Mildred und Patty Hill 1893 die Melodie zum Kindergartenlied «Good Morning To You» schrieb (der Text wurde erst viel später zum Geburtstagslied umfunktioniert) und seit 1935 auch die Rechte daran hat (deshalb taucht das Lied auch so selten in Filmen und im TV auf), wäre eine eindeutige Zuweisung etwas schwammig und fahrlässig. Genau so wie wenn man Chubby Checker’s «The Twist» zum grössten Hit der Musikgeschichte erklärt, wie dies das US-Hitparaden-Magazin Billboard kürzlich in einem undurchsichtigen Verfahren getan hat. Man könnte noch die nackte Verkaufsstatistik herbeiziehen. Diese führt gemäss RIAA mit 37 Millionen verkauften Einheiten die 1997 von Elton John neu eingespielte Ballade «Candle In The Wind» an.

Aber Lieder wie «Morning Has Broken» oder «Yesterday» (hält mit 1600 Interpretationen den Rekord der meisten offiziellen Cover-Versionen) werden bestimmt in diesem Moment irgendwo auf dieser Welt öfters in einem Klassenzimmer gesungen, an einem Lagerfeuer geträllert oder beim Spazieren vor sich hin gesummt als der Totengesang auf Lady Diana. Bloss, wie soll man das empirisch und fundiert belegen? So gibt es nur eine Lösung und nur eine zuverlässige Quelle bei der komplizierten Findung des populärsten Songs aller Zeiten: Die offiziellen Airplay-Zahlen der BMI (Broadcast Music Inc.). Und hier führt zur Zeit mit sage und schreibe 9 Millionen Ausstrahlungen «Every Breath You Take» von The Police die Rangliste an (vor Van Morrison’s «Brown Eyed Girl»). Würde man den Song also nonstop hintereinander über den Äther schicken, käme man auf mehr als 70 Jahre Sendezeit. Und einem gewissen Gordon Matthew Thomas Sumner (besser bekannt als Sting) spielt dieser einzelne Song noch heute täglich über 2000 Dollar an Tantiemen ein. Der grösste Hit aller Zeiten!

Als 1982 Sting, Stewart Copeland und Andy Summers im Dezember 1982 im AIR-Studio auf der karibischen Insel Montserrat «Every Breath You Take» aufnehmen, ist The Police eigentlich schon längst Geschichte. Die gegenseitigen Zerwürfnisse sind inzwischen an einem Punkt angelangt, dass die drei einstigen Busenfreude kein Wort mehr miteinander sprechen, wenn sie nicht müssen. Es geht sogar soweit, dass die drei Musiker nicht einmal mehr fähig sind, zur gleichen Zeit im selben Studio zu stehen, ohne dass ein handgreiflicher Streit ausbricht. So finden die Aufnahmen zum Album «Synchronicity» in drei verschiedenen Räumen statt: Im Hauptstudio der Bass und die Stimme von Sting (auf einem Mini-Trampolin hüpfend!), Andy Summers Gitarre im grossen Vorraum und Copeland wird mit seinem Drumkit gar in den Speiseraum des Gästehaus verbannt. Kommuniziert wird über eine Videogegensprechanlage. Wobei eigentlich schon längst nur noch der egozentrische Sting das Sagen hat. Es war ja auch nur noch er, der die Songs der Band beisteuerte. So auch «Every Breath You Take». Doch seine Vision daraus eine möglichst einfache Ballade zu konstruieren, wurden immer wieder durch das vertrackte und übermotivierte Drumming Copelands gestört. Während die anderen Titel des Albums jeweils einen Tag Aufnahmedauer beanspruchten, war man bei «Every Breath You Take» auch nach einer Woche noch zu keinem brauchbaren Resultat gekommen. Zudem eskalierten die Streitigkeiten so sehr, dass Produzent Hugh Padgham nicht mehr schlichtend eingreifen konnte und den Manager der Band, Miles Copeland, zu einer Krisensitzung in die Karibik einfliegen liess. «Das Album war quasi ein Meeting davon entfernt zu scheitern», bestätigte Padgham später.

Glücklicherweise raffte man sich doch noch zusammen, und die Aufnahmen im AIR Montserrat kamen zu einem Ende. Ähnlich anstrengend ging es dann aber nach einer kurzen Weihnachtspause Mitte Januar 1983 im Morin Heights Studio in Quebec weiter, wo man sich für das Overdubbing und die Endabmischung traf. Auch hier prallten die Gemüter von Sting und Copeland aufeinander. Oder besser gesagt eben nicht. Denn während der eine am Skifahren war, sass der andere im Studio und schraubte eigenmächtig an den Aufnahmen rum. Am Morgen fügte Copelands seine geliebten Hi-Hat-Fillings ein, welche Sting am Abend alle wieder löschte. Am Ende sollte jedoch Sting recht behalten. Als die Album-Vorabsingle «Every Breath You Take» im Mai 1983 erschien, schoss sie an die Spitze aller Charts weltweit. Alleine in den USA besetze der Song den Spitzenplatz acht Woche lang und wurde schliesslich zum grössten Hit des Jahres erkoren und kurz darauf noch mit einem Grammy ausgezeichnet. Wiederholt wurde der Song gecovert oder gesampelt – z.B. 1997 von Jack Jones und von Puff Daddy («I’ll Be Missing You»), Otto veröffentlichte mit «Du nervst mich so» eine deutsche Version davon und selbst DJ Antoine lieferte 2009 seine eigene Interpretation.

Ehrlich gesagt, spielt das Stück musikgeschichtlich gesehen kaum ein Rolle. Doch man muss eingestehen, dass «Every Breath You Take» ein Meisterwerk des Songwritings ist. Eine eindringliche und hypnotische Beschreibung verlorener Liebe und obsessiver Zuneigung. «Jeder Atemzug, jede Bewegung, jedes gebrochene Versprechen, auf Schritt und Tritt – ich beobachte dich!». Zur simplen Textstruktur passt auch das monotone Arpeggiomuster, welches Andy Summer spielt und die Basslinie, die kaum eine Rhythmusänderung vornimmt. Und wohl eben auch das zurückhaltende Schlagzeug von Copeland. Viele Hörer sehen darin jedoch einen positiven Lovesong, was Sting veranlasste in einem Interview klarzustellen, dass es bei dem Lied um Stalking, Überwachung, Kontrolle und Besessenheit ginge. «Ein Ehepaar erzählte mir: ‚Oh wir lieben dieses Lied, es wurde auch bei unserer Hochzeit gespielt.‘ Ich dachte: Na ja, viel Glück.»

(für «Loop», 2012)

Noch immer, 31 Jahre nach seiner Veröffentlichung, vermag Stevie Wonders Magnus Opus den Hörer zu überwältigen – wenn nicht gar zu überfordern. Selten wurde Musik mit einer derartigen Intensität produziert (Kritiker sagten auch schon «überproduziert».) Weder George Martin, Phil Spector noch Trevor Horn haben jemals nur ansatzweise solch eine soundästhetische Opulenz erschaffen können, wie es Wonder mit seinem einundzwanzigsten und definitiv ambitiösesten Album gelang.

Mehr als insgesamt fünfzig Sessionmusiker (u.a. Herbie Hancock, George Benson und Ronnie Foster) wurden in die Hit Factory Studios in New York zu nächtelangen Takes geladen. Dabei spielte man nicht nur die 21 Stücke ein, die später auf den vier Seiten und der Extra-EP von «Songs In The Key Of Life» landen sollten, sondern auch eine Unmenge der vermutlich kostbarsten Out-takes aller Zeiten. Kein Wunder, dauerten die Aufnahmen ja auch fast drei Jahre und Stevie Wonder hatte sich für dieses Projekt den fast schon selbstüberschätzenden Vorsatz genommen, das wichtigste Album seiner bis zu dem Zeitpunkt schon sagenhaften Karriere aufzunehmen.

Berry Gordy, sein Entdecker, Ersatzvater und Besitzer von Motown fand dieses Vorhaben anfänglich alles andere als angebracht. Wollte er doch so schnell wie möglich den auslaufenden Vertag mit Stevie verlängern. Dieser liess Motown jedoch bis zu dem Zeitpunkt schmoren, als sein Meisterwerk fertig eingespielt und gemastert vorlag, und forderte ab nun erhöhte Tantiemen und einen monströsen Vorschuss. Zähneknirschend unterschrieb Gordy den bis dahin hochdotiertesten Vertrag von gut 13 Millionen Dollar; sagt aber heute im Rückblick, er hätte seinem Schützling wohl sogar das Doppelte zahlen sollen. «Songs In The Key Of Life» wurde zur bestverkauftesten LP Stevie Wonders (10 Millionen Stück weltweit), verharrte im Herbst 1976 fast drei Monate an der Spitze der LP-Charts und wurde mit einem Grammy für das beste Album des Jahres ausgezeichnet. Erneut hatte Gordy – trotz anfänglichen Zweifel – genau das Richtige getan. Bereits 1971, als er Marvin Gaye vorerst daran hindern wollte «What’s Goin‘ On» zu veröffentlichen und schliesslich einlenkte, gab ihm der Erfolg recht. Finanziell sowieso, aber vor allem auch musikhistorisch. «What’s Goin‘ On» und «Songs In The Key Of Life» zählen nebst Neil Youngs «Harvest» und Dylans «Nashville Skyline» zu den wenigen Werken von äusserst sozialkritischer Tragweite.

Nebst Stevie Wonders Brillanz in Sachen Virtuosität, seiner stimmlichen Gabe und einem über die Jahre zur Perfektion ausgereiftem Songwriting und Producing, ist es vielleicht genau das, was dieses Album so einzigartig und gewaltig macht: Bei jedem einzelnen Song geht es um etwas. Es ist kein R&B über Sex. Es ist nicht Funk, der zum Tanzen auffordert. Hier geht es um Ideen, um Konzepte, um Politik, sozialkritische Themen, elterliche Liebe, Angst, Hoffnung und vieles, vieles mehr. Wonder singt über seine Kindheit («I Wish» und «Easy Goin‘ Evening»), über seine Vorbilder («Sir Duke»), über die Geburt seiner Tochter («Isn’t She Lovely») und obwohl es sich um ein Instrumental handelt, nimmt der Titel von «Contusion» Bezug auf den Autofall, den ihn 1973 beinahe das Leben gekostet hätte. Auf «Village Ghetto Land», «Love’s In Need Of Love» und „Black Man“ werden gesellschaftspolitische Inhalte aufgeworfen. Und mit «As» gibt Wonder seiner Spiritualität eine noch nie gehörte Stimme.

Naturgemäss finden sich auf Doppelalben oft Füller – nicht in diesem Fall. Jeder einzelne Song erfüllt eine Aufgabe, fügt sich wie ein Mosaikstein in das ganz grosse Oeuvre des Masterminds, welches Stevie Wonder zweifellos ist. Herbie Hancock sagte einmal über seinen Freund: «Stevie ist das wohl perfekte Beispiel dafür, wie ein Mensch sein sollte.» Der Genialität des Vollblutmusikers und Multiinstrumentalisten liegt die Maxime zu Grunde, keinerlei Furcht davor zu haben, alles auch auf den ersten Blick unmöglich Erscheinende auszuprobieren. Und das Prinzip, immer mehr zu geben, als zu nehmen, kommt in seiner Musik wie wohl bei keinem anderen Interpreten zum Ausdruck – nirgendwo so eindrücklich wie auf «Songs in the Key of Life».

In seiner Fülle ist dieses Doppelalbum wie ein feudal gedecktes Buffet. Als Hörer hat man reichlich viel zu verdauen. Der Detroiter Techno- und House-Guru Theo Parrish beispielsweise kaut noch heute daran, wie er zum ersten mal diese Platte auf der Stereoanlage seiner Mutter abspielte: «Ich hörte diese Lieder, diese Instrumente, diese Lyrics und fragte mich: Wer ist das, der diese Musik macht? Ich wusste nicht, wer Stevie Wonder ist. Das einzige was ich hatte, war das Cover und damit assoziierte ich eine Welt, die mir einfach nur Rätsel aufgab.»

Der Einfluss, den «Songs in the Key of Life» auf spätere Künstler hinterliess, ist immens. Nicht nur in Sachen Produktionsweise stellte dieses Album neue Weichen, sondern veränderte auch nachhaltig den Anspruch an das eigene Schaffen. Kayne West sagte 2005 über seine eigene Arbeit: «Ich versuche mich nicht an dem zu messen, was zur Zeit auf den Markt kommt. Ich messe mich an ‚Songs In The Key Of Life‘. Es klingt vielleicht musikalisch blasphemisch, aber wieso soll man sich nicht diese Messlatte setzen?»

Stevie Wonder: «Songs In The Key Of Life» (Motown, 1976)

(für «Loop», 2007)

Jesse Saunders – On & On (Jes Say Records, 1984)

Was wirklich los war in den frühen 80ern in den Clubs von Chicago, kann man kaum nachvollziehen, wenn man nicht live dabei gewesen ist. Aber auch für die, die damals mitten drin waren, ist im Nachhinein kaum erklärbar, wie alles soweit kommen konnte.

Ein paar Erklärungsversuche: Frankie Knuckles bringt den Sound, den sein Freund Larry Levan zu der Zeit in der Paradise Garage in New York spielt, nach Chicago. Schnell wird die Musik, die er im Club „The Warehouse“ spielt als sogenannte Housemusic bezeichnet. Innert Kürze wird die ganze Stadt von einem Tanzmusik-Virus erfasst, wie ihn selbst New York zur Blütezeit des Discos nicht erlebt hatte. Niemand hat jedoch geahnt, dass „The Warehouse“ einmal einem ganzen Musikstil den Namen geben wird.

Dazu brauchte es noch einen gewissen Ron Hardy. Dieser trieb in der 1983 eröffneten „Musicbox“ einen derart harten und minimalisierten Sound voran, dass bereits wenige Monate später nichts mehr war wie zuvor. Spätere Epigonen des Technos, wie Derrick May oder DJ Pierre, die damals regelmässig von Detroit nach Chicago pilgerten, berichten noch heute mit Unglauben von der Energie und dem Spirit, der die Tänzer buchstäblich durch schüttelte. Hardy’s Mix aus Disco, Electro und importiertem Eurodisco war Wochende für Wochenende die Gottesmesse für eine Szene, die jung aber hungrig war – hungrig nach dem ultimative Kick, der völligen Trance auf der Tanzfläche.

So kursierten plötzlich Tapes mit auf billigstem Equipment selbsgemachten Tracks. Eines davon war „On & On“. Jesse Saunders, selbst ein DJ, liess sich im Sommer 1984 von seinem Kumpel Vince Lawrence dazu überreden, gemeinsam eine Platte zu machen. Dazu brauchte es nicht mehr als eine Roland TB-808-Drummachine, einen Korg Poly 61 und die Plattenpresse von Lawrences Vater. Da bereits Hardy das Tape der beiden Newcomer regelmässig spielte und es die Hot Mix 5-DJs in ihrer Show auf WGCI promoteten, verkaufte sich die Platte in wenigen Wochen 30’000 mal – alleine in Chicago. Der „House Sound of Chicago“ war geboren und trat seinen Siegeszug rund um den Globus an.

„Das ist die mit Abstand wichtigste Platte des 20. Jahrhunderts“, meint Marshall Jefferson, „denn diese Platte zeigte dem Nicht-Musiker, dass auch er Musik machen kann.“ Jeder in Chicago, der einen Drumcomputer besass, tat nun genau dies und so überschwemmte ab 1985 eine Flut von House-Tracks erst New York und schliesslich Übersee. Die Musik, die eigentlich nur den Durst einer regionalen Szene löschen wollte, wurde zum weltweiten Phänomen und wird bis zum heutigen Tag in den Clubs rund um den Globus gespielt . In diesem Sinne: On and on…

(für Zukunft, 2006)

Manchmal wärs besser, all die DJs, die sich zum Produzenten berufen fühlen, würden die Finger davon lassen, Musik zu machen und dann diese noch zu veröffentlichen. Mehr als Tools für das eigene Set oder einer Handvoll Gleichgesinnter kommt dabei nämlich selten raus.

Es gab noch Zeiten, da hat es als Musiker etwas mehr bedurft, als dem Herunterladen von Synthi-Plug-ins und einem einigermassen intakten Rhythmusgefühl. Die Generation, der Maurice Fulton angehört, hat vor allem eins gebraucht, um sich selsbt als Künstler zu versuchen: Talent. Davon ist dem in Baltimore aufgewachsenen Mitdreissiger wohl einiges in die Wiege gelegt worden. Denn schon früh lieferte er als Mitglied der Houseformation Basement Boys Chartshits für Crystal Waters oder Ultra Naté in einem Genre, welches im Grunde genommen solche gar nicht kennt. Andere wären auf dieser Erfolgswelle weiter richtung Weltruhm geritten – nicht aber Fulton. Dieser wandte sich in der Folge lieber dem eingängigen Mainstream ab und der steten Neudefinition des Dancefloors zu. Und zwar so konsequent, dass er inzwischen mit seinem unerschöpflichen Output nicht nur in manchem Platteladen ein eigenes Fach füllt, sondern eben auch seinen eigenen, unverkennbaren Sound gefunden hat. Fultons Credo, immer dann Neustart zu drücken, wenn Langweile einzukehren droht, führte so auch seine Karriere oft an Orte, an denen man ihn kaum erwartet hätte. So zum Beispiel ins Industrieghetto von Sheffield, wo er vor gut fünf Jahren seine heutige Ehefrau Mutsumi kennen lernte. Eine etwas gar schrille Persönlichkeit, mit der er kurz nach seinem Umzug von New York die Band Mu gründete. Deren Musik könnte man mangels Attributen einfachheitshalber als Urschreitherapietechno bezeichnen. Vielleicht erinnert die ganze Angelegenheit aber auch an ein anderes, vielleicht eines der grössten musikalischen Missverständnisse der Geschichte – an Yoko Ono’s Plastic Band. Der Vergleich mit John Lennon hinkt deshalb nicht, weil Fulton mittlerweile vielerorts als „bester Produzent unserer Zeit“ oder gar ein Genie genannt wird und – nicht zuletzt – sein Sound so heutig ist, dass ihn wiederum andere kaum verstehen.

Dass den menschlich etwas schwer zugänglichen Amerikaner nun auch noch die in die Clubs zurückgekehrte Discowirbel erfasst hat, ist ein weiterer Ausdruck seiner Vielschichtigkeit. Mit einer Vergangenheit wie seiner, putzt er als DJ jedoch seine Mitstreiter locker weg. Vorausgesetzt er tritt vor einem Publikum auf, das genauso openminded und forschungslustig ist wie er. Man hört jedenfalls immer öfters, dass andere DJs, die Fulton live gesehen haben, sich selbst zu hinterfragen beginnen – zumindest ihren Musikgeschmack.

(für «20 Minuten», 2006)

Evelinn Trouble – Arrowhead (Bakara) Schon mal vorweg, ich wäre eigentlich gar nicht befugt, diese Review hier zu schreiben. Ein Stephen Frick zum Beispiel, als langjähriger Beobachter Evelinn Troubles Karriere, könnte viel fundierter urteilen und rezensieren. Ich versuchs trotzdem mal, obwohl ich erst seit dem letzten Album The Great Big Heavy (2013) auf die mittlerweile doch schon schweizweit und darüber hinaus bekannte Musikerin aufmerksam geworden bin. Dann hab ich sie in diesem Frühsommer bei dem legendären Balcony Gig am Röschibachplatz das erste Mal live gesehen und all meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Da sass eine Künstlerin auf einem kleinen Altbaubalkon mit ihrer Gitarre, einem kleinen Verstärker und vor allem ihrer Stimme und beschallte den Platz voller Freaks, spielenden Kindern, streunenden Hunden, Kioskalkis und Passanten. Es war eine Offenbarung. Seither bin ich, wohl wie unser Frick, angefressen. Seither habe ich die seit mehr als einem Jahr in London lebende Exil-Zücherin auch näher kennen gelernt. In erster Linie mit dem hier vorliegenden Album, ihr offiziell viertes Werk „Arrowhead“. Gemäss Pressetext erzählt dieser Longplayer aufgenommen im Studio von Geoff Barrow Bristol und ganz in der Tradition der 70er-Rockkonzeptalben, eine Geschichte. Und zwar die einer Reise eines urbanen Menschen, der von einem Pfeil in den Kopf geschossen wurde und nun durchs Leben stolpert (sic). Das ist wohl Evelinn Troubles ganz eigene Kurzversion ihrer eigenen Biographie. Wenn sie, wie auf einem meiner Favoriten der Platte, „Reminder“, singt: „remind me what it’s like to care for no one, remind me what it’s like to catch on fire and crash and burn“, sind das autobiographische Auszüge aus einer Vita, die ihren Ausdruck am besten in der universellen Kraft der Musik findet. Die Sechsundzwanzigjährige hat eine klar und unmissverständliche Stimme, ein Gespür für die ganz grossen Gefühle, eine allgegenwärtige Lebendigkeit, die in dieser Kombination brutal ansteckend ist. Wer ihre Musik als Rockmusik bezeichnet, verfehlt das Ziel weiter als der besagte Pfeil den Kopf des Protagonisten dieses 9-stückigen Meisterwerks der Schweizer Popgeschichte, welches jegliche Genredenken sprengt. Oder hat schon mal jemand zuvor so eine affirmative Wucht wie das Finale von „Wrong Sea“ („some day I will be well on my way!“) eines Schweizer Künstlers erlebt? Ms. Trouble sagt ja selbst, ihre Songs wollen jegliche Konventionen brechen, eine Sprache sprechen, die nur Eingeweihte verstehen. Das hat aber nichts elitäres oder abgehobenes, sondern schlicht und einfach den Anspruch, sich direkt an den Hörer zu richten, ihn am Schopf zu packen und durchzurütteln, um ihn so in seiner Menschlichkeit und Seele anzusprechen. Wie es beispielsweise eine Patti Smith zu ihren besten Zeiten tat. Andererseits enden die zwei letzten Drittel von „Just A Fever“ in einer sphärischen Transzendenz, die an die allerbesten Zeiten von Black Sabbath erinnert, einer der absoluten Lieblingsbands von Trouble, spielt sie doch des Öfteren Black Sabbath-Tribute-Konzerte zur Abwechslung zu ihrem eigenen Material. Aber wenn dieses so packend ist wie „Gone Strange“, dann hör ich lieber zu, wie mich diese seltsam Gestalt angenommene Intimität geradezu hypnotisiert und schon bald im Herzen trifft. Wie dieser immer wiederkehrende Pfeil. Vielleicht ist ja auch die wahre Geschichte hinter diesem Album-Titel, dass der Arrowhead eigentlich derjenige ist, den die echt aufmerksame Zuhörerschaft abkriegt. Als Streifschuss oder nach x-tem Replay als Volltreffer. Für mich trifft auf alle Fälle zu: Bestes Album 2015 aus der Schweiz. Für die Welt da draussen. Amen. Ähm, fast vergessen: laut, sehr laut hören!

(für GDS.FM, 2015)
Kürzlich hat Pitchfork unter strengster Einhaltung verschiedenster, eng gesteckter Kriterien die besten 50 Ambient-Alben aller Zeite gekürt. Wenig verwunderlich schaffte es Brian Enos Initialwerk „Ambient 1: Music For Airports“ auf den ersten Platz dieser durchwegs interessanten Rangliste. Etwas wenig Beachtung fand meiner Meinung nach der Ambient an der Schnittstelle zwischen Club und Ruhezone; solchen wie er immer öfters auch von elektronischen Musikern, die vornehmlich für den Dancefloor produzieren, gemacht wird. Suzanne Kraft, Tempelhof, Gaussian Curve, Vakula und CFCF, aber auch hiesige Künstler wie HOVE sind nur einige Namen von Acts, die in den letzten Jahren diese neue Art des Ambients mitdefinieren. Und zu diesem illustren Kreis gehört natürlich eben auch Vermont. Dieses Sideprocekt von Motor City Drum Ensembles Danilo Plessow und Innervisions Marcus Worgull übernimmt wie bei den oben genannten Unternehmen die Funktion des harmonischen Ausgleichs zum hektischen Leben als international gebuchter DJ. Statt sich wie Sven Väth ab Oktober in die alljährliche Ayurveda-Kur zurückzuziehen, treffen sich die beiden House-Produzenten regelmässig in Plessows Kölner Studio, um gegenseitig einander die Seele mit sanften Klängen und wohlklingenden Harmonien zu massieren.

Vermonts Zweitling „II“ gehört für mich jetzt schon bereits zu den besten Werken für ruhigere Töne 2017. Plessow und Worgull selbst verstehen ihre Musik ganz im Sinne Enos ursprünglicher Auslegung des Genres; also als Hintergrundteppich für allerlei Tätigkeiten oder als Multitasking-kompatible Kompositionen quasi. Das klingt für mich dann aber doch etwas gar bescheiden. Denn auch beim konzentrierten Zuhören entdecke ich Nuancen, Launen und melodiöse Highlights auf diesem Album, die für diese zwei Musiker doch sehr überraschend ausfallen. Was auf dem Erstling noch etwas schüchtern und zaghaft ausprobiert wurde, nimmt nun endlich, frei gemacht von allen Zwängen und Hemmungen, seinen bestimmten Lauf. Rausgekommen ist dabei ein Werk so strahlend erhaben wie ein neuer Fixstern am Firmament des Ambients.

Der Opener „Nordeney“ setzt mit seiner durchgehend monotonen Bassline und dem Manuel Goettsching huldigenden Gitarrengezupfe von Robbert Van Der Bildt irgendwie die Benchmark für „II“. Die jahrelang in der internationalen Clubszene gesammelte Erfahrung und dem Wissen darüber, wie man in diesem Kontext Spannung aufbaut, hört man in jeder Rille dieser Platte. Aber auch „Ufer“ oder „Unruh“ sind Tracks, die die Energie eines DJ-Sets abseits des Dancefloors im gemütlicheren Setting des für sich alleine Dahindriftens einfliessen lassen. „Ki-Bou“ ist wahrscheinlich die Standout-Nummer eines Albums, welches man in seiner gesamten Länge, nonstop anhören muss, um es wirken lassen und um seiner Grazie verfallen zu können. Vermont ist es gelungen Musik zu erschaffen, die alles zum Schweigen bringt. Eine fantastische Balance zwischen Aufgeregtheit und einer inneren Ruhe und Ausgeglichenheit. Man kann kaum glauben, dass dies nicht alles so geplant gewesen wäre von den beiden Freunden Plessow und Worgull. Dass es also nicht ihre Absicht gewesen wäre, Ambient zu erschaffen, der aus dem Hinter- plötzlich auch in den Vordergrund rücken kann. Wie auch immer, in meinem Herzen gehört diese Platte schon heute zu den wichtigsten seiner Gattung und sollte vornehmlich spätnachts abgespielt werden.



(für GDS.FM, 2017)

Promotexte

Alex Barck – A life devoted to music.

Alex Barck’s rise to world wide fame was as a member of Jazzanova in the late 90’s. Also as the A&R manager at Berlin based label, Sonar Kollektiv, he was, and still is, responsible for some of the finest ever releases, spanning the horizons from soulful pop and witty dance music. There is, however, no need to elaborate on the mighty Jazzanova and Sonar Kollektiv’s output here. We are here purely to pay homage to Alex Barck’s own illustrious career.

He was born and raised in Prenzlauer Berg back when there was still a wall dividing Berlin, making it exceedingly hard for East Germans to have a real sense of with was happening music wise around the world. This did not deter young Alex though. He was an eager music lover who listened to everything he could find in the East Berlin libraries, devourde magazines smuggled into the east and listened to every thing he could find on the airwaves (especially a radio show by disc jockey Monika Dietel on SFB, which still informs and influences him even ‚til today). Just as he came of age, and was old enough to stand behind the decks himself, the wall came tumbling down and an 18 year old Alex Barck found himself found himself in what was to become, almost instantly, the most influential city and scene of the early 90’s. Here he learned to play eclectic and elusive DJ sets which blended everything from techno to wave, disco, soul, hippie folk, hiphop and, yes also jazz. Whilst the other newly liberated East Germans raided retail stores to finally buy what they couldn’t before, Alex Barck went crate digging. A hobby he devotedly pursues to this day (his record collection encompassing more than 10’000 records to date).

His first gigs were at the Club Akbar Lounge followed by the infamous Delicious Doughnuts. Only ten years after his begginings he has played at almot every renowed club on this planet – the likes of Tokyo’s Yellow to Zouk in Singapore, Trouw in Amsterdam, Goa in Madrid, Dachkatine in Zurich, Plastic People in London, Elephant Festival in Croatia, and of course the Berlin landmarks WMF, Cookies, Weekend, Watergate and Panorama Bar – just to name a few. He has also played alongside an endless list of luminaries including but not limited to Francois K., Gilles Peterson, Norman Cook, Andrew Weatherall, Carl Craig and Basement Jaxx etc.

As well as being a passionate, challenging and, oft times, revolutionary DJ for over twenty years, Alex Barck has also worked as a selector, compiling several acclaimed and trendsetting series (Secret Love, Computer Incarnations etc.). He hosts a number of radio shows on different German radio stations and is also revered for his remix work (e.g Jeremy Glenn’s „New Life“, Jazzanova’s „Little Bird“, Vindahl’s „Question“, Little Dragon’s „Ritual Union“etc). As of 2011 he and producer extraordinaire, Christian Prommer, have been recording together as Prommer & Barck (check out their first album „Alex & The Grizzly“ on Derwin Records) and have been touring as a club/live act all throughout Europe. And if that isn’t enough for you, Barck and Prommer also have their own label, Derwin Records (named after Alex Barck’s favourite creperie in Bretagne) which releases their own music as well as edits and tracks by new artists (e.g the late 2011 underground Balearic hit „Night Flight“ by Quintus Project with edits by Lexx and Psychemagik). Writing about Alex Barck you can really see how hard it is to pin him down to one distinctive style or any one endeavour. So busy is his schedule and so explosive is his constant creative output. There’s probably only one leitmotif to his career (and his life as well): A deep, honest and never ending love for music. Music is love, and Alex Barck is music.

Adrian Hoenicke

Jah Wobble Biographie (für Sonar Kollektiv, 2015)

((English))

There are only a few contemporary artists who can claim to have been groundbreaking and at the same time being at the cutting edge over the last 30 years and beyond. Mister John Wardle aka Jah Wobble (a nickname given by a drunken Sid Vicious) most definitely can do so without raising an eyebrow. Wardle was a founding member of über-legendary post-punk inventors Public Image Limited (PiL) from 1978 til 1980, became a sought-after session musician after leaving the band and teamed up with anybody in the scene who dared to discover new boundaries and to stretch to uncharted territories, like Holger Czukay, Brian Eno, Francois Kevorkian, Björk, Peter Gabriel, Sinead O’Connor and Bill Laswell (to name just a few of the people he worked with over the last thirty years). Along the way he built up a reputation larger than life – not only as one of Britain’s leading figures in everything concerning Dub but also as the Original Geezer (as detailled in his infamous and worth reading autobiography „Memoirs Of A Geezer: Music, Mayhem, Life“ in 2009).

For all the ups and even more downs during his career, John Wardle’s life was always and still is completely dedicated to music and his distinctive bass playing. After some personal turmoil in the late eighties and shortly turning his back on music, he reincarnated in 1990 as Jah Wobble’s Invaders Of The Heart (resulting in a Mercury Music Prize nomination for his critically acclaimed „Rising Above Bedlam“ album). In 1997 he consequently formed his own label, 30 Hertz Records, to release continuously and unconditionally solo and collaborative work up to this day that was and is on the highest level of explorative intentions and non-commercialism. Wardle’s ongoing passion for Eastern and Global music mixed with his roots in dub, punk aesthetics and dance lead to such genre-bending projects like „Radioaxiom – A Dub Transmission“ (together with Bill Laswell), „The Inspiration Of William Blake“ (reciting poems by the English writer), new agey jazz/dub albums like „Fly“, „Elevator Music“ and „7“ (as Jah Wobble & the Modern Jazz Ensemble paying tribute to his jazz heroes). In 2008 Wardle accompanied his wife Zi Lan Liao on a tour with a large group of Chinese performers (dancers, actors and musicians) and released the „Chinese Dub“ album which won the Songlines Magazine World Music award. Two years later he moved his dub fusion even further east with „The Japanese Dub“, recorded with the Nippon Dub Ensemble. Recent collaborations include his work with Julie Campbell (aka LoneLady), an EP with former PiL partner Keith Levene, an album with Bill Sharpe (ex-Shakatak) and „Anomic“, a co-experiment with ambient heralds Marconi Union.

This should be enough proof that Jah Wobble is a musician’s musician in the true sense of the word. Now, in his mid-fifties and after having come to terms with his long-gone wild days, Wardle is not giving himself any peace though when it comes to making influential music. His album „Inspiration“ (together with singer PJ Higgings) on Berlin imprint Sonar Kollektiv is his re-ignited will to put out a string of collaborative albums that have a sense of pop appeal but still represent all the current afflatus his everyday life in music and contemporary arts is pouring towards him. His eagerness to experiment and to join forces with other musicians with a mutual respect for each other seems not to cease at all but actually is growing as older and wiser he gets. This man loves music and music loves him. Jah Love.

((Deutsch))

Es gibt nur wenige zeitgenössische Künstler, die in Anspruch nehmen können, während den letzten 30 Jahren und darüber hinaus bahnbrechend innovativ und gleichzeitig immer wieder musikalische Wegbereiter gewesen zu sein. Mister Jon Wardle aka Jah Wobble (ein Übername, den sich ein betrunkener Sid Vicious ausgedacht hat) kann dies jedoch durchaus ohne ein Wimpernzucken von sich behaupten. Wardle war Gründungsmitglied der legendären Post-Punk-Pioniere Public Image Limited (PiL) von 1978 bis 1980, wurde nach seinem Ausstieg aus der Band zu einem gefragten Session-Musiker und machte gemeinsame Sache mit jedem in der Musikszene, der oder die genug Mut an den Tag legte, Grenzen auszuloten und in neue musikalische Gefilde vorzudringen, wie Holger Czukay, Brian Eno, Francois Kevorkian, Björk, Peter Gabriel, Sinead O’Connor und Bill Laswell (um nur einige der Namen zu nennen, mit denen der Bassist in den letzten dreissig Jahren zusammengearbeitet hat). In dieser Zeit errang Jah Wobble einen Ruf als eine der federführenden Kräften in Sachen Dub in Grossbritannien, aber auch als Original Geezer (ausführlich beschrieben in seiner 2009 erschienen und sehr lesenswerten Autobiographie „Memoirs Of A Geezer: Music, Mayhem, Life“).

Trotz all den Höhen und noch mehr Tiefen in seinem Lebenslauf war und ist John Wardles Leben stets der Musik gewidmet und vor allem seinem charakteristischem Bassspiel. Nach einigen persönlichen Schicksalsschlägen in den späten Achtzigern und einer kurzzeitigen Abkehr vom Musikbusiness tauchte er 1990 als Jah Wobble’s Invaders Of The Heart neu auf (was ihm eine Mercury Music Prize-Nominierung für das von der Musikpresse gefeierte Album „Rising Above Bedlam“ bescherte). Folgerichtig gründete er 1997 sein eigenes Label, 30 Hertz Records, um bis heute fortlaufend und kompromisslos Solo- und Kooperations-Projekte zu veröffentlichen, die immer in höchstem Grade von erforschender Natur und Nonkonformität geprägt sind. Wardles nicht abreißende Leidenschaft für fernöstliche und global grenzenlose Musik gepaart mit seinen Wurzeln im Dub, der Ästhetik des Punks und der Tanzmusik im Generellen resultierte in solch Genre übergreifenden Projekten wie „Radioaxiom – A Dub Transmission“ (zusammen mit Bill Laswell), „The Inspiration Of William Blake“ (ein Album auf dem Wardle Gedichte des Britischen Poeten rezitiert), New Age Jazz/Dub-LPs wie „Fly“, „Elevator Music“ und „7“ (um als Jah Wobble & the Modern Jazz Ensemble seinen Jazz-Helden Tribut zu zollen). 2008 begleitete Wardle seine Frau Zi Lan Liao auf eine Tournee mit einer grossen Gruppe von chinesischen Darstellern (Tänzer, Schauspieler und Musiker) und veröffentlichte das „Chinese Dub“-Album, welches den Songlines Magazine World Music-Award gewann. Zwei Jahre später trug er mit „The Japanese Dub“ und dem Nippon Dub Ensemble seinen Dub noch weiter ostwärts. Zu den jüngsten Kollaborationen zählen diejenigen mit Julie Campbell (aka LoneLady), eine EP mit seinem ehemaligen PiL-Mitstreiter Keith Levene, ein Jazzfunk-Album mit Bill Sharpe (Ex-Shakatak) und „Anomic“, ein gelungenes Ko-Experiment mit dem Ambient-Trio Marconi Union aus Manchester.

Dies alles sollte genug Beweis dafür sein, daß Jah Wobble auch unter anderen angesehenen Musikern absolute Hochachtung genießt. Heute, mitten in seinen Fünfzigern und lange nach seinen wilden Sturm- und Drangzeiten, kommt Wardle aber immer noch nicht nicht zur Ruhe wenn es darum geht, einflussreiche und inspiriernde Musik zu machen. Sein Album „Inspiration“ (zusammen mit der Sängerin PJ Higgins) auf dem Berliner Label Sonar Kollektiv ist sein kürzlich neu entfachter Drang eine Reihe von Gemeinschaftsprojekten zu realisieren, die einen gewissen Pop-Charme haben, aber dennoch all die gegenwärtigen Einflüsse reflektiert, die ihm sein Musiker-Alltag und sein Interesse für zeitgenössische Kunst liefert. Seine Experimentierfreude und sein Verlangen mit anderen Musikern zusammenzuarbeiten, mit denen er einen gegenseitigen Respekt für das jeweilige Schaffen teilt, scheint kaum abzunehmen; im Gegenteil, je älter und weiser Wardle wird, desto mehr nimmt dieses Bedürfnis offensichtlich zu. Dieser Mann liebt Musik und die Musik liebt ihn. Jah Love.

The Magic Sound Of Daniel Grau (Sonar Kollektiv, 2014)

Es ist ein Phänomen unserer heutigen Zeit: Musiker, die bereits während ihrer Schaffenszeit in Vergessenheit geraten sind, feiern unverhofft Jahrzehnte später weltweite Erfolge. Bei Nick Drake, zum Beispiel, dauerte es bis nach seinem Tod. Bei Sixto Rodriguez half der Dokumentarfilm „Searching For Sugar Man“ für die überfällige Anerkennung. Und Bernard Fèvre alias Black Devil verdankt seinen zweiten Frühling der erstarkten Cosmic Disco-Szene und allen voran Aphex Twin. Ähnliches könnte nun, nein wird mit Bestimmtheit auch Daniel Grau widerfahren. In diesem Fall ist es die Archäologieabteilung von Sonar Kollektiv (mit grosser Beihilfe des befreundeten venezolanischen DJ Trujillo), die dem begnadeten südamerikanischen Studio-Crack gut dreissig Jahre nach seiner letzten Veröffentlichung endlich zum weltweiten Durchbruch verhilft.

 

Daniel Grau Sosa ist 1948 in Caracas, Venezuela zur Welt gekommen. Anfangs der 70er Jahre war er einer der gefragtesten Studio-Engineers des Landes und der dort relativ überschaubaren, aber nicht weniger eifrigen Musikszene. So nahmen auch die grössten Stars des Onda Neuvas (die venezolanische Variante des Bossa Novas), wie zum Beispiel Aldemaro Romero, die Dienste von Grau in Anspruch. Als dann aber der deutschstämmige Vytas Brenner den Progressive Rock und schliesslich auch Fusion Jazz bis hin zu kosmischen Disco nach Venezuela brachte, konnte und wollte Grau sich nicht mehr bloss hinter dem grossen Mischpult seines Studios El Palacio De La Musica verstecken. Unverbindlich fragte er einige der Musiker und Künstler, die sich bei ihm Studio die Türklinke in die Hand gaben, ob sie zusammen mit ihm das „La Orquestra De Daniel Grau“ formierten und spasseshalber unter diesem Namen zwei LPs veröffentlichten („Dejando Volar El Pensamiento” aus dem Jahre 1974 und “Más Allá de las Estrellas” aus dem Jahre 1976). Diese beiden ersten Veröffentlichungen zeigen bereits wunderbar was für ein versierter Komponist, Arrangeur und Multi-Instrumentalist (Gitarre, Bass und Keyboards) Grau war und noch immer ist. Auf Dejando Volar El Pensamiento”, “La Ceiba”, “Delirio En Fa Menor” und “Prama” sind die Einflüsse und Anlehnungen unüberhörbar, die seine gesamte, kurze und nur in Venezuela stattfindende Karriere prägen werden: Nordamerikanischer Fusionjazz, orchestraler Bossa Nova und lateinamerikanischer Funk im Sinne eines Eumir Deodato und Sérgio Mendes.

 

Erst nach seiner Zusammenarbeit mit Vytas Brenner (auf dessen epochalem und heute ultrararen Album „Jayeche“) wandte sich Grau schliesslich der global überschwappenden Discowelle zu. Jetzt bediente er sich zusätzlich den Produktions- und Kompositionstechniken von bekannten Grössen wie Giorgio Moroder oder Jean-Marc Cerrone – aber dabei immer seiner ganz eigenen Auslegung von Discomusik treu bleibend. Aus heutiger Sicht müsste man fast schon sagen, dass „Atlantis“ (vom Album „Disco Fantasy“ aus dem Jahre 1979) eine Reinterpretation von Don Rays „Garden Of Love“ ist und „Funky Bip-Bot“ (vom 1982 erschienenen Album „440 Torker“) mehr als frappante Ähnlichkeiten mit „Dyin‘ To Be Dancing“ von Empress aufweist. Aber gerade diese sehr unbekümmerte Herangehensweise an die Absorption damals aktueller Strömungen machen die Musik von Grau heute so zeitlos unbeschwert. Er nahm sich auch nie die Mühe seine Musik auf die Bühne und vor ein Publikum zu bringen, sondern beliess es dabei seinen lokalen Stardom als exklusives Studio-Projekt zu geniessen.

 

Bis 1983 veröffentlichte Daniel Grau acht Longplayer, zuerst auf dem lokalen Ableger von London Records, dann auf dem studioeigenen Label Palacio. Auf der nun erscheinenden Werkschau „The Magic Sound Of Daniel Grau – compiled by Jazzanova & Trujillo” sind Stücke all dieser LPs zu finden.

 

All diese Veröffentlichungen bieten ein breites Spektrum an verschiedensten Spielarten wie Disco, Funk, Rock und lateinamerikanischen Rhythmen wie Venezuela Joropo und dem brasilianischen Bossa Nova. In Kombination mit der von Miguel Jaimes und Alejandro Pérez illustrierten Coverart entstand so eine magische karibische Variante des Cosmic Discos.

Für die Werkschau konnte Sonar Kollektiv den international renommierten und mit einem lateinamerikanischen Grammy ausgezeichneten venezolanischen Künstler MASA gewinnen, eine Collage dieser einzigartigen Welt hinzuzaubern.

 

Als vor 14 Jahren Graus langjährige Ehefrau, die Mutter seiner beiden Kinder und Backgroundsängerin auf praktisch all seiner Platten, Velia, frühzeitig verstarb, schien seine eh schon längst begrabene Musikkarriere erst recht nicht wiederaufzuerstehen. Doch die notorische globale Digger- und Blogger-Szene entdeckte nun plötzlich auch die Musik des für verschollen geglaubten Venezolaner. Selbst die Chemical Brothers spielten vor gut fünf Jahren Stücke wie „El Leon Bailarin“ (vom gleichnamigen Album aus dem Jahre 1980) des Öfteren in ihren Sets. Die Mühe, den mittlerweile 66-jährigen Daniel Grau zu kontaktieren und gemeinsam mit ihm, eine komplette, umfassende Werkschau zu veröffentlichen machte sich schliesslich aber bloss Sonar Kollektiv. Dank dem vom Goethe Institut geförderten Kulturaustauschprogramm besuchte 2012 Jazzanova-Mitglied Claas Brieler Venezuela und kam in Kontakt mit der ansässigen jungen House- und Disco-Szene, in der Grau über die Jahre einen Heldenstatus erlangt hat. Schon bald wurde mit Andres Astorga aka Trujillo der Plan ins Auge gefasst, die Musik von Daniel Grau einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Für Grau, der mittlerweile in einer neuen Beziehung ist, waren die Verhandlungen mit Sonar Kollektiv so was wie der zweite Startschuss für seine Karriere: Nach 30jähriger Abstinenz, besorgte er sich Ableton Live und komponiert heute wieder Musik („To Night“ ist ein erster Vorgeschmack auf die Dinge, die da noch kommen). Für den offiziellen Release der Werkschau ist nun sogar das erste Livekonzert von Daniel Grau geplant.

 

Die Werkschau, als Doppel-CD, umfasst 27 der besten Songs aus dem Archiv von Daniel Grau. Da diese nicht mehr auf Bandspuren zu finden waren, musste Calyx Mastering in Berlin noch bessere Arbeit leisten, als sie es eh schon immer tun. Diese akribische Restauration ging so weit, dass die hier vorliegenden Tracks irgendwie besser klingen als die Originalaufnahmen auf Vinyl. Damit steht nun endlich dem weltweiten Erfolg von Daniel Grau nichts mehr im Wege!











It’s a phenomenon of our time: Musicians who fell into oblivion already during their productive period, achieve unexpected worldwide success decades later . With Nick Drake it took until his death. It was the documentary “Searching For Sugar Man” that helped to pay the long overdue international respect for Sixto Rodriguez. And Bernard Fèvre aka Black Devil has to thank the strengthening Cosmic Disco scene and Aphex Twin above all that he’s now going through his second adolescence. Similar things could, no they by all means will happen to Daniel Grau. In this case it’s the archaeology department of Sonar Kollektiv (with great assistance by befriended Venezuelan DJ Trujillo) which supports the highly gifted South American studio whiz to establish his worldwide breakthrough thirty years or so after his last release.

 

Daniel Grau Sosa was born in Caracas, Venezuela in 1948. In the early 1970s he was one of the most sought after studio engineers of the country and its quite assessable, but nonetheless zealous music scene. Even the biggest stars of the Onda Nuevas (the Venezuelan version of Bossa Nova), like Aldemaro Romero, made use of Grau’s services. But at the point when the German descent Vytas Brenner brought Progressive Rock and eventually also Fusion Jazz up to Cosmic Disco to Venezuela, Grau couldn’t and wouldn’t want to seek shelter any longer behind his big mixing board in his studio El Palacio De La Musica. Without any engagement he asked some of the musicians and artists who frequented his studio off and on to form together with him „La Orquestra De Daniel Grau“ releasing two albums just for the fun of it („Dejando Volar El Pensamiento” from 1974 and “Más Allá de las Estrellas” from 1976). These two releases already display marvelously what kind of an adept composer, arranger and multi-instrumentalist (guitar, bass and keyboards) Grau was and still is. On „Dejando Volar El Pensamiento”, “La Ceiba”, “Delirio En Fa Menor” and “Prama“ the influences and references, which characterize his entire, short and Venezuela-only career, are unmistakeable: North American Fusion Jazz, orchestral Bossa Nova and Latin American funk in the sense of Eumir Deodato and Sérgio Mendes.

 

Only after his collaboration with Vytas Brenner (on the epic and by now very rare album “Jayeche”) Grau turned towards the globally sloshing disco wave. He now availed himself of the production and composition techniques of luminaries like Giorgio Moroder or Jean-Marc Cerrone – but always remaining faithful to his very own interpretation of disco music. In hindsight one almost has to say that “Atlantis” (off the 1979 LP “Disco Fantasy”) is a straight-forward reinterpretation of Don Ray’s “Garden of Love” and “Funky Bip-Bot” (off the 1982 released album “440 Torker”) bears more than a slight likeness to “Dyin‘ To Be Dancing” by Empress. But it’s this reckless, semi-naive approach of absorbing the then current movements which makes Grau’s music so timelessly carefree today. He didn’t even bother to stage his music in front of an audience and kept his local stardom to that of being an exclusive studio project.

 

Up to 1983 Daniel Grau released eight long players, first on London Records‘ local subsidiary then on the studio operated label Palacio. On the present showcase compilation „The Magic Sound Of Daniel Grau – compiled by Jazzanova & Trujillo” tracks off all albums are to be found.

All of these releases offer a wide spectrum of musical styles like Disco, Funk, Rock and Latin rhythms like Venezuelan Joropo and Brazilian Bossa Nova. Combined with the tropical Cosmic inspired artwork by Miguel Jaimes and Alejandro Pérez a magical Cosmic Caribe’s world is created. Sonar Kollektiv was able to engage the internationally renowned and Latin Grammy award winning, Venezuelan artist MASA for designing a collage of this unique universe.

 

When 14 years ago Grau’s long-standing wife, mother of his two children and background singer on almost all of his releases, Velia, died precociously his already buried musical career didn’t look like it would ever resurrect. But the notorious global digger and blogger scene suddenly discovered now also the music by the forgotten Venezuelan. Even the Chemical Brothers played tracks like „El Leon Bailarin“ (off the album with the same name from 1980) about five years ago regularly in their sets. But only Sonar Kollektiv made the effort to contact the by-now 66-year-old Daniel Grau discussing with him the release of a complete, comprehensive show case compilation. Thanks to the cultural exchange program by the Goethe Institute Jazzanova member Claas Brieler visited Venezuela in 2012 and came in contact with the native young house and nudisco scene, in which Grau has become somewhat like a hero over all the years. Soon, together with Andres Astorga aka Trujillo, the plan was contemplated to make Daniel Grau’s music accessible to a wider audience than there ever was. For Grau, being currently in a new relationship again, the negotiations with Sonar Kollektiv turned out to be the second starting signal for his career: After a 30-year-long studio abstinence he obtained Ableton Live and is now composing new music again („To Night“ is a teaser of the things to come). For the official release of the compilation plans are made to host the very first live concert of Daniel Grau.


The compilation, a double CD, encompasses 27 of the best works out of Daniel Grau’s archives. Since they couldn’t be found on tape reels anymore Calyx Mastering in Berlin had to do an even better job than they usually do. These meticulous restorations went so far that now the tracks we can listen to sound even better than the original recordings on vinyl. Therefore there’s finally nothing standing in Daniel Grau’s way to enjoy worldwide success!

Micatone – The Crack (Sonar Kollektiv, 2017)

((Deutsch))
Fünf Jahre sind im heutigen Musikbusiness eine halbe Ewigkeit. Dass sich die Berliner Institution Micatoneso lange Zeit genommen hat für ihren neuen, ihren vierten Longplayer hat verschiedene Gründe. Allen voran die verschiedenen Sideprojects der sechs Bandmitglieder; so widmete sich Boris Meinhold vollumfänglich seinem anderen Baby, dem Darkpop-Trio Ann & Bones, Sängerin und Frontfrau Lisa Bassenge veröffentlichte mit „Wolke 8“ und „Canyon Songs“ gleich zwei weitere Solo-Alben, die beide für Furore sorgten. Eine weitere Ursache für die schier unendliche Wartezeit auf den Nachfolger von „Wish I Was Here“ tritt beim Durchhören von „The Crack“ zu Tage. Die 1999 gegründete Formation und damals die erste richtige Popband auf Sonar Kollektiv hat mit äusserst viel Sorgfalt und Bedacht neue Songs geschrieben, komponiert und hörbar lange daran feingeschliffen. So lange bis sie ihren eh schon bis zur Perfektion ausgereiften eklektischen Popappeal nochmals um eine Ebene erweitert hatten. Jedes dieser neun Stücke ist ein in sich vollkommen stimmiges Gesamtkunstwerk. So wie es sich halt gehört für meisterhafte Popsongs. „The Crack“ ist aber keineswegs nur eine klug durchdachte Ansammlung von Songs, die Micatone in den letzten fünf Jahren produziert hat. Im Gegenteil: Der Opener „Shell Song“ beginnt mit den Zeilen „Come on take a walk with me, take my hand we move in peace…“ und das Finale mit „Countless Times“ endet mit den Worten „How many times, how many times, how many times do we have to say goodbye“. Hier wird also nicht nur musikalisch, sondern auch erzählerisch ein Bogen geschlagen. Lisa Bassenge singt von Abschied, Eifersucht, Rache, Verlassenheit und Ängsten, aber immer auch wieder von Freiheit. Musikalisch hat man sich nun mehr fast gänzlich von Electronica entfernt ohne dabei aber nicht irgendwie doch noch mit kontemporärer Clubmusik im entfernten Sinne in Kontakt zu bleiben. „Black Dog“ beispielsweise ist eine dubbige Bluesnummer für den frühmorgendlichen Dancefloor zu Hause, „Barbed Wire“ ein Ravemonster für unter der Bettdecke und „The Crack“ schwingt so gelassen dahin wie ein Sonntagsmorgentänzchen in der Küche zu zweit. Das Warten hat sich also in jeder Hinsicht gelohnt. Micatone brauchte die fünf Jahre, um ein Album abzuliefern, das uns auf lange Zeit hinaus sehr viel Freude bereiten wird. Mögen es im schlimmsten Fall wieder fünf Jahre werden. Wir hoffen es nicht.

((English))


In today’s music biz five years are an incredibly long time. The reasons why it took ages for the Berlin institution Micatone to finish their new, their fourth longplayer are manifold. First of all Boris Meinhold has been quite occupied with his new baby, the dark pop trio Ann & Bones, singer and frontwoman Lisa Bassenge released with „Wolke 8“ and „Canyon Songs“ two further solo albums which both caused a sensation. Another cause for the nearly unbearable time of waiting for the successor of “Wish I Was Here” becomes manifest while listening to “The Crack”. The formation founded in 1999 and back then the very first real pop act on Sonar Kollektiv wrote and composed new songs with extreme accuracy and audibly fine grinded them extensively. Till such time as their eclectic pop appeal already matured to perfection enhanced to a higher level. Each of the nine tracks is a holistic self-consistent complete artwork. As is right and proper for magistral pop songs.
“The Crack” is anything but just a well thought out assemblage of songs Micatone has recorded over the last five years. On the contrary: The opener “Shell Song” starts with the lines „Come on take a walk with me, take my hand we move in peace…“ and the finale track „Countless Times“ concludes with the words „How many times, how many times, how many times do we have to say goodbye“. A bridge is built not only musically, but also narrationally. Lisa Bassenge sings about farewell, jealousy, revenge, abandonment and fears but always also about freedom. Musically Micatone absents itself almost completey from Electronica without losing some sort of contact to contemporary club music in a broader sense. “Black Dog”, for example, is a dubby blues track for the early-morning dancefloor at home, “Barbed Wire” is a rave monster for beneath the sheets and “The Crack” swings as smoothly as a Sunday morning dance in the kitchen à deux. The waiting paid off by all accounts. Micatone needed the five years to deliver an album which will bring us joys for a very long time. May it be five years again in the worst case. Let’s hope not.

Lexx – Hangin‘ On A String (Phantom Island 7“, 2015)

This is already Lexx‘ second release on Zurich based label Phantom Island. After the “Young Corner” EP he puts more wood to the fire already half a year later with a reconstruction of Bing Ji Ling’s cover version of “Hangin‘ On A String” by  legendary Brit 80’s soul band Loose Ends.

 

Lexx not only pays tribute to the original from 1985 but also leaves enough space for Bing Ji Ling’s voice to shine, imprinting though his over the years developed distinctive trademark sound, the Compass Point Studio 2015 stamp so to say. That’s how this version of the producer and record collector by heart highly esteemed amongst DJs from all around the world for his taste and stylistic assurance becomes more than just a mere rework; it’s plain and simple probably his best work so far.

Whilst praising this timeless anthem one almost forgets that the 7” also has a flipside: “All That Is Now” is somehow the outmost clever dub version of a song ever. Or in other words: This is exactly the track you want to hear after the A side, the one a proper DJ has to play. But maybe only a cunning and skilled record spinner and music selector like Lexx understands this logical coherence. The timid but later dominantly instating bassline still bares a faint resemblance to “Hangin‘ On A String”, but eventually the guitar by Roger Szedalik carries it obliquely towards the Balearic sound of today. It’s foremost Lexx‘ arrangement though, which heaves this tune way above any other current midtempo dub house. The sensitive timing of tension and pleasingness is Lexx‘ favourite discipline after all and here he puts his mastery once for all to the test. This is for a certainty a record which will unfold its gracile beauty also in ten summers to come. So be careful with it, you’ll need it quite regularly from now on.

Liner Notes

Spinning Motion – Confidence In The Future (Notes On A Journey, 2016)

These are strange times indeed. With a great sense of relief the 1970s are laid to rest, and brimming with new confidence and a heart full of hope, one turns to face the impending decade. A decade, which will again turn cultural life upside down in every aspect. But in January 1980, West Berlin is dancing to it’s own rhythm. David Bowie’s sabbatical, including brief visits by friends, Iggy Pop and Lou Reed, as well as Nick Cave, have had an enduring impact on the city. Now it is Punk primarily calling the shots. At the most happening clubs (Dschungel, Shizzo, DNC and Risiko) and concert venues (most notably the legendary SO36), bands like Ideal, Die Tödliche Doris, PVC, Einstürzende Neubauten and DIN A Testbild establish the Berlin School of New Wave and soon gain nationwide, and in some cases, even international fame. Running in tandem to this are scores of musicians, in practice rooms from the far reaches of Wedding all the way down to the edges of Neukölln, going about things in their own way. They couldn’t care less about trends, about the scene defining “Geniale Dilletanten” movement and about, the by now ubiquitous, drum machines (most notably the machines built by Roland).

Spinning Motion is a prime example. This studio project, initiated by Achim Hirsch and Manfred Tappert, friends since their schooldays, gathers musicians with origins as diverse as their musical backgrounds, aiming to find common ground between Folk, Pop, Jazz and all of its diversified variations. They comprise, Stefan Thimm, a drummer hailing from Wuppertal, a founding member of Accept, later to become Germany’s most influential Heavy Metal band, saxophonist Joe Kucera, who was part of the Czech RnB/Blues rock band Framus 5 before he, shortly after the Prague Spring, fled via Vienna to West Berlin, and the Bostonian trumpet player Eddie Hayes, who comes from within the ranks of the puristic US Jazz scene, whose heroes are Miles Davis and Dizzy Gillespie. It’s more of a decree of fate than mere coincidence, that precisely these five distinctive characters get together and, contrary to the media hype caused by the Noise/New Wave movement, decide to make music, which isn’t amenable to any whim of fashion. A city like Berlin, especially with this perceived sense of optimism about the future, offers every creative artist, as well as the technical and well-versed musicians with a certain down-to-earthiness, enough leeway and opportunity to play live in numerous concert venues and bars. The range is so wide (from the Tarantel in Kreuzberg, to the Quasimodo, Flöz, the Quartier Latin and the Jazz Galerie, as well as the Eierschale in Dahlem), that some are able to live from these gigs and as session musicians. It’s exactly in this looseness of this scene that the highly gifted, multi-instrumentalist Manfred Tappert is at home. Since the early days of his youth he has devoted all his spare time to music, and at every creative chance he throws himself into it, and joins all sorts of projects (i.e. the Jazz fusion band Prisma) and jam session constellations (in the late 1970s more and more frequently with Eddie Hayes). As soon as his former classmate and childhood friend, Achim Hirsch, tells him about a recent self-discovery trip to Denmark, and floats the suggestion to work his new impressions and worldviews, collected in Scandinavia, into an album, Tappert is hooked. The last time the two of them played music together was in the late 1960s when, driven by the shared fascination for the legendary British Garage Rock band The Pretty Things, they formed the student combo “The Busstop 4”. Whilst since the early 1970s, Tappert has been turning more and more towards Jazz, Hirsch is still wallowing and reminiscing in the golden era of Beat music and Psychedelic Rock. So, after more than a decade, despite or maybe thanks to these different individual developments, the time seems to have come for the next mutual musical adventure which is given the significant name “Spinning Motion”. Since Manfred Tappert has cultivated contacts with several Berlin recording studios, the decision is made to record Hirsch’s rough sketches properly, accompanied by the sound of Tappert’s befriended musicians. In none other than Harris Johns Music Lab Studio. And this Harris John is not just anybody. After a year as a recording engineer in Berlin’s famous Hansa Studio, he has now installed his own “Music Lab Studio” in a former stationary store in Moabit, and has recorded bands like Ideal, Einstürzende Neubauten and Foyer des Arts here. Later on, his re-located to Kreuzberg studio, becomes Germany’s number one address for Metal and Hard rock. This is where acts like Helloween, Sepultura, Voivod and Tankard among others, record style-defining albums under the direction of John. But what Hirsch, Tappert and the whole entourage put on tape, over a weekend in January 1980, has nothing to do at all with what usually represents the massive reputation of Music Lab. It also contradicts every other common conception of what reflects life in the “front line city”. Unusually, at the request of Spinning Motion, John has 100 records of these sessions pressed at Presswerk Pallas in Diepholz. Harris is also responsible for obtaining reproduction film of the cover art, painted by Hirsch’s girlfriend and bestowing on the release the ominous catalogue number ML002. By the standards of the time a rather rare endeavor, mainly because in Germany, unlike in the USA, it wasn’t common practice for hobby musicians and fantasists to have their dream of creating physical copies of their own records realized. Since the 1950s there were labels on the East Coast of America, like Century, RPC and Mark Studios, which you could simply send a tape of your recordings, and they were pressed at low-cost in small editions on vinyl. The essential thing about the music industry, the distribution, was left to the artists themselves. If you didn’t intend to sell your own record via mail order or at live gigs, most of the time hundreds of copies ended up in one’s cellar, gathering dust from the time of order up to the present day. That’s pretty much what happened to Spinning Motion. Probably no more than ten copies of the 100 delivered records have been given to friends and acquaintances (including Phil May of The Pretty Things of course). As spontaneous as it has been to turn the ideas for “Confidence In The Future” into a proper album, as relaxed and without expectation, this left the musicians involved able to pursue other projects, after this weekend in the Music Lab Studio, without looking back. Tappert, for instance, records under the name „Fences“, together with Ralph Billmann, Stefan Thimm, Christof Griese and Eddie Hayes, and produces the album „Maikäfer“ in 1981, which is also under the radar and never really finds a market. All of Spinning Motion’s participating allies (with the exception of Achim Hirsch) remain active in the music business till this very day, collecting dozens of releases and a wealth of live gigs between them. Nowadays none of the participants can recall exactly why the Spinning Motion project was over as fast as it had begun. Achim Hirsch just had a simple plan and an idealistic notion, to bring a project to life, manifesting the experiences of his Denmark trip, with the help of Tappert’s musician friends – sonically somewhere between trippy, bizarre Psychrock and poppy 60’s Folk. The possibility that something more might come out of it was probably never his intention, at any point, at any time. As you are listen to “Confidence In The Future” today, it quickly becomes clear what kind of worlds must have collided here. A stunning amalgamation of aural treats, created by making subtle compromises between Pop, Jazz, Rock and Folk, that exists in every single track across-the-board. Due to its stylistic complexity “Confidence In The Future” is an album that is somehow never really able to settle on any one taste, inevitably opening up new dimensions to the listener. Imagine how this was in 1980. Especially in Berlin’s commercial music scene. And especially when the involved musicians treated the project after its completion, more like a matter of personal importance than a career move. And for Hirsch, Spinning Motion’s initiator, all of this seemed to be fulfilling enough. Prophetically the record is named after the most significant song of the eight-piece collection “Confidence In The Future”. 35 years on the title finds the verification it deserves. It unleashes its bottled power no sooner than the day, Jazzanova member and Notes On A Journey co-founder, Stefan Leisering finds the record in a crate at the flea market on the Strasse des 17. Juni. Like a bottle of Château Lafitte-Rothschild unearthed after 35 years, forgotten about in an abandoned cellar, do we get to experience the quiet composure and savage intensity of a treasure brought to light. It takes Leisering another ten years to comprehend what kind of music historical treasure has been hiding in his record collection. He acquired “Confidence In The Future” sometime in the early noughties and only by re-listening to this oddity one day in 2010 or 2011 did everything finally click into place. A lost gem of Berlin Pop history, one that could almost never have happened. Compositions so ahead of their time that you can only understand and classify them today properly. There’s a sense of inadvertent (and therefore unaffected) ingeniousness in songs like “Devotion To You”, “Prisoner Of Life” and “Playground Of Burial-Funds” that you have to live in the 21st Century to appreciate fully. Each of the eight tracks (maybe apart from the instrumental closer “Elegy”) has some sort of melancholy, introverted reflectiveness, and yet still always something conciliatory. Manfred Tappert’s voice lends his lyrics, written by him, but preconceived by Hirsch, something utterly personal, intimate even. Every single song, particularly within the framework of the oeuvre, tells a story, and due to this intimacy, and the adventurous arrangements touches you deeply. No matter the time or place. To add to all of this, this incomparable record has also an entirely different facet, which only becomes apparent with today’s perspective. The title track, “Confidence In The Future”, and “Answer My Questions” remind one eerily of Kings Of Convenience, and the cosy “Naze” resembles Turin Brakes. So evidently that you’ll find yourself, while listening, in a quaint retro-retro-loop, the musical equivalent of a time paradox. But this is exactly the beauty of music. Music doesn’t abide by the rules of time and space as we do, and therefore each listen to each piece of music is unique and purely based on the context of the listening. And every once in a while times have to change just so music can find a new determination and new listeners. Confidence in the future ultimately means: Good music is patient, outlives everything and will sooner or much, much later find its destination. NOTES ON A JOURNEY is looking eagerly forward to finally celebrating the first proper release of Spinning Motion’s “Confidence In The Future”. We know for a fact that now more than hundreds copies of this wonderful album have been pressed. But even if this time around no more than ten copies are be sold, it doesn’t really matter knowing that you are reading these lines and listening to the wonderful music and history of Spinning Motion.

Congratulations!

Berlin, June 2015

Chuck Senrick – Dreamin‘ (Notes On A Journey, 2017)

It’s a well-documented fact that a person’s reasons for pursuing a career in music are varied and manifold. For some, it’s the desire for a glamorous and stellar career, the longing for fame and glory. For others, it’s just a job like any other, and for some, it’s a calling, just something you gotta do. With this idea in mind, it’s easy to draw a parallel between the modesty and humility in Chuck Senrick’s life to that of Sixto “Sugarman” Rodriguez. But while Sugarman recently learnt of him enduring fame on the other side of the globe and the creation of a legend for a whole generation around his craft, Chuck Senrick was never famous; now or at any time or place during his still enduring career. For more than 45 years now he simply plays his Fender Rhodes or piano and entertains any audience which is present, more or less incidentally at the location at which he is performing. In this day and age, an endangered species anywhere but in the US, Chuck Senrick serves as a bar pianist.

Raised in Farmington, Minnesota, the young Senrick came at the decision to throw caution to the wind and become a career musician at an early age. At the tender age of 15, he played his first gig in Minnesota, and after the venue’s owner pressed his pay into his hand, he quickly came to the conclusion that making a living by performing music was the path he wanted to pursue. From the on it was surprisingly his life of simplicity and restricted circumstances that actually gave Senrick the liberty to play music whenever and wherever he felt like – be it as an all-round entertainer in bars and restaurants or as a member of several bands (i.e. touring with the Shuffle Brothers across Minnesota between 1976 and 1978 and later accompanying the Claudio Baltierras Ensemble on occasion). By 1982 Senrick was hired by Joe’s Steak House in Bloomington, Illinois (a two-hour drive south of Chicago) where he has earned money ever since, either as a solo pianist or as a band leader at his own evening „At Home At The Piano Bar“. This steadfast engagement was only interrupted once, for a six years period when he moved to Anna Maria Island in sunny Florida. During this time he also only played at a single location, the Cafe Crobar. Since this time he spends the remaining parts of his day following his second love after music, building sand castles.

Building castles in the air, though, was something Chuck Senrick never did during his career. His first and only record “Dreamin” wasn’t meant to signal the start of an illustrious career in the music business. The dozen songs he recorded in friend’s living rooms during 1976 were for the by then 21-year old, freshly married Minnesotan, just a plain and simple collection of compositions capturing the world around him and recounting humble tales of his life in it. “Drop A Dime” is a simple account of the flat he shared with three friends, while, as the title suggests, “Wedding Trilogy” is dedicated to his wife and is a living reminder of his marriage which happened around the time of these recordings. It was also his first wife who drew the illustration for the cover of “Dreamin”: A portrait of a young Chuck cross-fading between Minneapolis‘ bustling city life (sung about in “Downtown”) and the comforting mountain scenery of Montana embedded in familiar unity. The songs, starting with the title track “Dreamin”, invoke the calm, humble life and bond with nature, which is still dear to Chuck Senrick’s heart to this very day. The songs also address the conflict between harmony and adventure, a facet of his personality which embodies him all the same. These days, Senrick’s personal favourite from the collection is, “Don’t Be So Nice”, the best example of this discrepancy. Hard to be topped in its reduced purity, the song is scored in a restrained and jazzy manner, as all tracks of the album, with just a Fender Rhodes accompanied by a simple beat coming from the drum machine, the Donca-Matic by Keio/Korg. This minimalism, paired with a preference for bittersweet melodies and his ingenious vocals, bestow Chuck Senrick’s music with a brutal honesty that will never go out of fashion, therefore bearing the imprint of timelessness. The soundtrack to eternity one could say.

Just 200 copies of the record were pressed, which Senrick gave away to friends or sells to his audience at his gigs. Only many years later, in 1993 to be exact, during his stay in Florida, does Senrick again record further material. A few of his live gigs are put onto cassette tape and distributed them under the name “Island Live “ and “Cheap Thrills”. Somehow, through a series of unknown events and coincidences, 40-years later those original songs finally meet the catalyst for exposure to a bigger listenership. Not in Minnesota nor in Florida but a Japanese second-hand store of all places, Jazzanova member and NOAJ co-founder Stefan Leisering finds a copy of “Dreamin”. A magic moment for the passionate musician and DJ, one that stands out strong in his decades of record collecting. It’s exactly this type of songwriting and these arrangements that hit him emotionally, ticking every box along the way. Back in Berlin, he plays the record to some friends, who are also deeply moved and impressed by Senrick’s thoroughly honest music.

The author of these liner notes also remembers the first time he heard “Don’t Be So Nice” very vividly. It was during a car trip through Berlin with friends and fellow record collectors, Danny McLewin (Psychemagik) and Alex Barck (Jazzanova), when Alex played the track on the stereo of his A-Class; I couldn’t believe my ears for a moment. Once in a blue moon do you hear such a perfect pop song, minimalistic yet overflowing with charm owing to its sincerity. Knowing about its extreme scarcity, I didn’t even attempt to try to find the record. All the more delighted I was when Notes On A Journey asked me to write the liner notes for this re-issue. Finally, I can hold this beautiful record in my hands and I can listen to this ageless, bonafide and touching music again and again and again. I hope you dear reader, gets a kick out of this the same way I did and that I and the whole Notes On A Journey crew still do.

Plaza Hotel – Bewegliche Ziele (Notes On A Journey, 2016)

It’s 1981. Everything seems possible in the realms of music. The barriers between genres are being wilfully torn down, punk is discovering the synthesizer, the drum machine is replacing the drummer and no idea is too absurd to pursue. The winds of change are blowing from New York to London, Berlin and Tokyo and there’s a palpable, uninhibited spirit of optimism in the air turning music industry on it’s head. People are experimenting with novel equipment, bands are springing up like mushrooms, line-ups disband and regroup. A whole generation is being inspired by a do-it-yourself mentality, creating an unprecedented knowledge of how to produce music. Every artist seems to be full of ambition, conquering new frontiers whilst often participating in several projects simultaneously. When today, we look back at this time it appears as an unintelligible mess with no economic viability, but 30 years ago it was simply the sheer desire for artistic freedom, self-fulfilment and the urge to have control over one’s own creative work that was the driving force.

Let’s take the guitar player, Wolfgang Spelmanns. After leaving DAF (Deutsch Amerikanische Freundschaft) in December 1980, his head was full of ideas and an exuberant compulsion to express himself in as many ways as possible. A singular focus is impossible. One of these endeavours is a visit to Werner Lambertz’s studio in Düsseldorf. While the first few takes, of what later would become “Bewegliche Ziele”, are being recorded, the main object is putting Lambertz’s self-designed modular percussion computer to the test. But the shenanigans don’t end here. Soon after, Jaki Liebezeit, the drummer of Can, is invited to jam freestyle over the programmed beats. New technologies and innovative methods have drawn the attention of Liebezeit, challenging him to play as monotonously as if he were a machine himself (or a computer in this case). It takes him less than 90 minutes to ad-lib two stunning drum tracks for Spelmanns‘ still nameless project. Spelmanns however, is not in a hurry to finish the tracks. Unlike the bustling drummer, his focus has a much broader horizon. Instead he wanders off and forms Mau Mau, a new band with his old flat mate and former partner in DAF, the bass player and member of Düsseldorf group Fehlfarben, Michael Kemner. Consequently, the recordings are are left to the side and almost forgotten about.

Almost. Two years later, living in West Berlin, Spelmanns remembers the tapes and brings them, along with his girlfriend and singer Claudia Sennlaub (alias Tabu), to the Caet Studio on Kreuzberg’s Mehringdamm. Vocals and the guitar are recorded and in-studio synthesizers are enthusiastically thrown into the mix allowing the two songs to finally take on a concrete form. “Bewegliche Ziele” and “Schön In Uniform” are mixed and mastered by none other than Charly Steinberg, the founder of Steinberg GmbH and developer of the first DAWs (Digital Audio Workstations) like Cubase.
Having had mainly negative experiences with major labels (i.e. Polydor), and seeing how his friends at Ata Tak music publishing, are swamped with bureaucracy and paperwork, Spelmanns decides to independently press the record on four different-coloured discs at Pallas pressing plant. Totalling only 1000 copies, the records are released on the ad-hoc label Delphin in early 1983 and are delivered straight to the door step of his apartment on Pücklerstrasse. Leaving the musician, although gaining ground by leaps and bounds in the art scene, reduced to single-handedly supplying Berlin’s record stores with his release. No wonder that only a few of the colourful discs find an audience and the potential success of Plaza Hotel is all but nipped in the bud.

Amazingly, the record continues to be rediscovered time and again, throughout the years time. By a diverse mix of DJs and record collectors from all sorts of different countries, origins and scenes. They all take a personal interest in “Bewegliche Ziele”. From die-hard NDW fans to New Wave analysts and never-tiring sound explorers like the infamous, dutch record collector Tako Reyenga. It is him who plays one of these rare copies, sometime in 2010, in Düsseldorf of all places, in the Salon d’Amateurs, one of the world’s hippest underground clubs, in front of a broad-minded audience. In short “Bewegliche Ziele” (played on 33rpm instead of 45rpm) becomes a signature tune not only at the Salon, but on dance floors of every boutique club operating outside of mainstream territory all around the world. About the same time Jazzanova member and co-founder of Notes On A Journey, Stefan Leisering stumbles across the 12” in a crate in Canada. Back in Berlin he plays his discovery to his buddy and Jazzanova co-partner Alex Barck. Falling for the song’s magic as Leisering does, Barck rearranges, what was perviously considered complete, the third edition of “Computer Incarnations For World Peace” just to fit this exceptional tune into the already fine selection.

Spelmanns himself, now living in Bremen, working as a video artist and leading the Generic Art Ensemble, definitely didn’t expect this to ever happen. Three decades after its initial release “Bewegliche Ziele” is finally finding its listeners and revealing its long hidden spell. It’s the same with “Bewegliche Ziele” as with a lot of this time period’s music long forgotten or only released in a very limited capacity: Today, with hindsight, it gains new meaning and an extensive resonance. Over the last few years Plaza Hotel’s skewness, the graceful peculiarity, the courageous experimentalism is being explored by new and younger groups and can be heard in current music again. Meaning “Bewegliche Ziele” could have easily be released in 2016. NOTES ON A JOURNEY thought the same and decided, that not only freaky record collectors should be able to, for extortionate prices, enjoy this timeless, fascinating piece of music on vinyl. So we have brought Plaza Hotel back to life, in all its glory.

Candeias – Candeias (Notes On A Journey, 2017)

Curiously enough the story of this record begins with a song, which isn’t even featured on it. A song named ‚Guayabas‘. One of Guillermo Reuter’s very first free-spirited compositions is one of his two contributions to the fourth album ‚Ese Dia Va A Llegar‘ by friend and musician Agustin Pereyra Lucena, in 1975. ‚Guayabas‘ was the unintended starting signal for Reuter’s career and was coincidentally the initial spark for this reissue that you, dear reader and listener, are holding in your hands right now.

But perhaps we’d better take one thing at a time and not jump ahead of ourselves. ‚Guayabas‘ was the Guillermo Reuter song that first caught the attention of the Notes On A Journey founders Jürgen von Knoblauch, Alex Barck, and Stefan Leisering. It led them to discover his album ‚Candeias‘ shortly thereafter, and a love affair was born. It was a similar story for Jacques Subileau, the producer for the recordings of ‚Ese Dia Va A Llegar‘ (and therefore ‚Guayabas‘), who was so enamored by this single composition that he proposed Reuter to cut a whole album, made up exclusively of his songs and compositional stylings. The Frenchman with an Argentinian girlfriend, had connections to European record labels like Disco Mediterraneo in Madrid and Disques Espérance in Paris which specialised in World and African music. ‚Candeias‘ would be released on both labels, on the Spanish imprint under the name of ‚Sambaiana‘, in France as the original title ‚Candeias‘, but for inexplicable reasons, with terrible sound quality.

For the 24-year-old musician, it came as a total surprise; the once-in-a-lifetime chance to record an entire album of his own works. Raised by parents, both of who were musicians and teachers with their own school (Instituto Reuter in Buenos Aires), Guillermo Reuter was destined to wander down one road for life – to follow in his father’s footsteps, professionally and musically. Josef Reuter, born in Germany, balanced his work life where he was a dedicated occupation Headmaster with music; not only was he a passionate organist, he was the maestro of his own choir, the ‚Singakademie Buenos Aires‘ and a well-known director at Buenos Aires’ world famous “Teatro Colón”. Furthermore, he was a strict and conservative father who massively disapproved when his son embraced modern music like Brazilian Bossa Nova, which back then, was just starting to take the world by storm. Despite, or as a direct result of this, ‚Samba Da Minha Terra‘ by João Gilberto was a revelation for the juvenile Guillermo Reuter and shaped his freethinking approach towards music permanently.

Even though Reuter satisfied his parents‘ expectations by completing five years of studies in classical musical, his passion for the inauspicious sounds of Brazil never truly disappeared. On the contrary, after meeting the slightly older, Bossa Nova inspired, up-and-coming guitar player and songwriter Agustin Pereyra Lucena on the university campus, the young musician took the proverbial bull by the horns and made a massive leap of faith. On the one hand, he accepted the offer of several studio recordings (1973 ‚Climas‘ and 1975 ‚Ese Dia Va A Llegar‘), and on the other, he declined the request of his parents to inherit and run the private family school. At this moment in 1975, Guillermo Reuter made a clear, wholehearted decision, aware of all its consequences, and chose his own music as his further purpose in life. Music, which he finally – thanks to Jacques Subileau and ‚Guayabas‘ for that matter – could record without compromise and thus give free rein to his creativity.

The recordings of ‚Candeias‘ took place shortly after Subileau’s invitation, in October and November 1975, in the Buenos Aires based studio ‚Sound Center‘. To realise his vision Guillermo Reuter surrounded himself with four superb musicians, who he knew from previous recording sessions: Agustin Pereyra Lucena on guitar, Uruguayan drummer and percussionist Carlos Carli, Brazilian bass player Darci Soave, and the young flute player Rubén Izarrualde. Reuter himself plays the Fender piano on all tunes (despite “Zimbao“ on which he played the upright piano) as well as 12-string guitar. The idea of adding a horn section to some tracks was quickly scrapped, mostly for financial reasons. Recorded in only a few brisk spring days (which is November on the southern hemisphere), you can feel the sheer enjoyment of the musicians in this masterpiece of timeless, universal music through its unbridled playfulness. Starting with ‚El Tren De Tom‘, the album’s first track, where the sound of a departing locomotive announces the beginning of a journey. A journey that winds it’s way through the contagiously melodious, cunningly arranged and in every detail, profound world of Guillermo Reuter and his project Candeias. All of which is overseen by their heraldic spirit animal, the Toucan, which is the bird we first see on the album cover. The name Candeias, which means candles in Portuguese, was chosen democratically by all four participating musicians. The album’s carefree, casual happiness is never superficial or forced. For instance, ‚Paolinho‘, driven by Izarrualde’s flute, is rooted in the folkloristic tradition of Northern Brazil and emphasizes Reuter’s almost academic approach towards his compositions. ‚Managua‘ employs the Cuban Guajira rhythm and is probably the song of the album that best expresses the harmonic interaction of the four musicians extraordinaire. Throughout the whole album, Reuter’s training in classical compositions interweaving with his love of Jazz and Brazilian music, in particular, is almost tangible.

In his homeland of Argentina, ‚Candeias‘ will never be released. Subileau’s personal connections took the project to Europe, Spain to be precise. Here, with changing line-ups, Reuter played live regularly between 1976 and 1978. His playmates in Candeias (expandable from quartet to septet) include f.e. the Cuban saxophone player Paquito d’Rivera, the US trombone player Bill Smith, the Brazilian percussionist Rubem Dantas and the Spanish flute/saxophone player Jorge Pardo. Further recordings never happened, though. The European Jazz scene at that time was much too volatile and in turmoil. Talents like Reuter were mostly getting booked as session musicians and were swamped by endless touring, leaving them little time to pursue their own projects. After his father had died towards the end of the 80s, Guillermo Reuter returned to Argentina and only infrequently returned to Europe for occasional live gigs. Back in his hometown, he made a living writing compositions for commercials and from intermittent gigs in local jazz clubs. He operated a music store for some years, worked as a composition teacher and acted as a program manager for various music and live venues in Buenos Aires. During this time he never stopped writing own songs. His fascination for South American folklore and its rhythms, from Brazil via Uruguay to Argentina, continued to increase, even until this day. In 2004 Guillermo Reuter wrote a song, ‚El Gorgojo‘ (The Bug), which won the first prize at the international Latin Jazz Contest in La Habana and was praised by the French film music composer Michel Legrand, one of Reuter’s personal idols.

Having now Notes On A Journey, more than forty years after its initial release, introducing ‚Candeias‘ to a whole new audience is also in the interest of its creator. For Guillermo Reuter, this album was and is a lifework, which has never lost momentum and significance. It is a record, which simply stands the test of time by bringing pure joy over its full, entertaining length, and is going under the skin at the same time. That’s why for this re-issue the original Spanish pressing has been lovingly restored, preserving the sound quality, letting you listen to it the way it should be heard, in the here and now. With the stunning new quality, the previously poor sound quality of the old French pressing can’t keep ‚Candeias‘ will find a much bigger following this time round. Come and join the club.